BMZ kürzt Förderung des WinD-Programms!

Zum 31. Dezember 2017 wird das von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführte WinD Programm eingestellt. Die entsprechende Verfügung wurde bereits vom zuständigen Staatssekretär Herrn Kitschelt unterzeichnet und am 28. Juni im Programmsteuerungsausschuss (PSA) von weltwärts vorgestellt. Ohne jegliche Transparenz und demokratische Mitbestimmungsmöglichkeit!

Das WinD Programm (früher: Weltwärts in Deutschland) unterstützt junge Menschen durch Vernetzungs- und Beratungsangebote sowie niedrigschwellige Finanzierungsmöglichkeiten in ihrem entwicklungspolitischen Engagement. Im Jahr 2016 wurden durch das Programm 161 Aktivitäten in ganz Deutschland gefördert.

Weitere Informationen zum WinD Programm von engagement-global.de

Die Fördermittel werden nun in das Aktionsgruppenprogramm (AGP) verschoben, wo sie mit einer Eigenbeteiligung in Höhe von 10% der Kosten beantragt werden können; Förderungen ab 2.001€ erfolgen über das Förderprogramm Entwicklungspolitische Bildung (FEB). Die Antragsberatung soll an die regionalen Bildungsstellen des Programms Bildung trifft Entwicklung (BtE) übergeben werden; die Details sind jedoch unklar. Überregionale Bildungs- und Vernetzungsveranstaltungen wie FrühlingsWinD und HerbstWinD werden ab 2018 nicht mehr organisiert. Die weitere Finanzierung des WinD Themenfestivals und der undjetzt?! Konferenz ist ungewiss.

Was bedeutet das für mich und meine WinD Gruppe?

Eine Finanzierung über das WinD Programm ist voraussichtlich noch bis Ende des Jahres 2017 möglich. Danach müsst Ihr für Eure Aktionen andere Geldquellen finden. Beispielsweise könnt Ihr die Teilfinanzierung des AGP in Anspruch nehmen – müsst dann aber die erwähnte Eigenbeteiligung aufbringen. Auch von vielen Vereinen und Stiftungen gibt es Fördermittel, diese sind allerdings oft zweckgebunden oder regional begrenzt.

Besprecht daher in Euren WinD Gruppen und über das WinD Programm finanzierten Projekten, wie Ihr mit dieser neuen Situation umgehen wollt. In jedem Fall wäre es mehr als bedauerlich, wenn es das BMZ mit seiner Entscheidung tatsächlich schaffen sollte, das großartige WinD Engagement der letzten Jahre auf einmal zu einem abrupten Ende zu bringen. Lasst Euch von diesen widrigen Umständen nicht den WinD aus den Segeln nehmen!

Dürfen wir uns weiter „WinD“ nennen?

Da „WinD“ kein geschützter Name ist, können sich auch weiterhin alle Menschen, die sich mit dem Begriff identifizieren, so bezeichnen. Die Entscheidung des BMZ bezieht sich lediglich auf das staatliche WinD Programm, nicht aber auf den Zusammenschluss aller WinD Aktiven im WinD Netzwerk! Bereits bei einer Ideenwerkstatt im Januar 2017 wurde eine mögliche Emanzipation des Netzwerks vom Programm diskutiert. Mit der Entscheidung des BMZ, das WinD Programm einzustellen, wurde dies nun plötzlicher aktuell, als wir alle erwartet hätten.

Wie ist diese Entwicklung zu bewerten?

Dass die WinD Aktiven und insbesondere alle neu zurückkehrenden Freiwilligen internationaler Freiwilligendienste durch die Einstellung des WinD Programms dermaßen alleine gelassen werden, erschüttert und frustriert. Ein vergleichbares Alternativprogramm existiert nicht und die Teile des Angebots, welche weitergeführt werden sollen, werden sinnloserweise auf verschiedene Programm verteilt. Die finanzielle Eigenbeteiligung wird viel ehrenamtliches Engagement ausbremsen, die Details der Übernahme der Antragsberatung durch die regionalen Bildungsstellen sind noch unklar und der Grundpfeiler der überregionalen Betreuung und Vernetzung bricht ganz weg.

Besonders ärgerlich ist es, dass die begründeten Einwände von WinD Aktiven, welche sich in einer ausführlichen Stellungnahme gemeinsam mit verschiedenen Organisationen deutlich für einen Erhalt zentraler Elemente des Programms ausgesprochen hatten, einfach ignoriert wurden. Auch dem Wunsch der WinD Aktiven, an einem möglichen Umstrukturierungsprozess beteiligt zu werden, um so die Perspektive der betroffenen Zielgruppe des Programms einbringen zu können, wollten Engagement Global und das BMZ nicht nachkommen. Offiziell sollen internationale Freiwilligendienste ebenso wie die Rückkehrmaßnahmen junge Menschen zu entwicklungspolitischem Engagement und demokratischer Partizipation ermutigen und befähigen – die aktuellen Entwicklungen gehen leider in die entgegengesetzte Richtung.

Was kann ich tun, wenn ich mit dieser Entscheidung des BMZ nicht einverstanden bin?

Vernetzt Euch mit anderen WinD Aktiven, die ebenfalls gegen diese Entscheidung protestieren möchten. Unter protest@list.wind-netzwerk.org wurde ein Verteiler eingerichtet, in den sich alle Interessierten ganz einfach mit einer Mail an protest-subscribe@list.wind-netzwerk.org eintragen können. Falls Ihr Schwierigkeiten mit der Eintragung haben solltet, meldet Euch gerne bei protest-owner@list.wind-netzwerk.org. Auf der Liste kann dann über nächste Schritte, offene Briefe, Petitionen, Demonstrationen und alles Weitere diskutiert werden. Hauptsache bunt, laut und kreativ. Lasst uns WinD nicht einfach still und leise in Vergessenheit geraten!

Aus unerfindlichen Gründen fällt die Entscheidung des BMZ unter CSU-Minister Müller zudem direkt in den Bundestagswahlkampf. Am 24. September wird gewählt und diese Steilvorlage wollen wir uns nicht entgehen lassen. Alle, die mit dieser Entscheidung des BMZ nicht einverstanden sind, können daher auch ganz konkret politischen Druck ausüben: Schreibt Euren Wahlkreisabgeordneten – die findet Ihr unter www.bundestag.de/abgeordnete18 – und den zuständigen Referent*innen der Fraktionen E-Mails, Postkarten, Briefe. Ruft in den Wahlkreisbüros an, geht zu Bürger*innen-Sprechstunden und kommt direkt mit den Abgeordneten ins Gespräch. Macht ihnen klar, warum Euch diese Entscheidung so ärgert, und weist darauf hin, dass nach der Wahl im September ja noch genügend Zeit ist, die Entscheidung des BMZ wieder rückgängig zu machen…

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