*see english below*

Einladung zur postkolonialen Filmreihe mit anschließender Diskussion

Kolonialismus – kein Thema der Vergangenheit!?

Aus postkolonialer Perspektive wird klar: Sprache, Denken und gesellschaftliche (Macht)verhältnisse sind bis heute – auch und gerade in weißen Mehrheitsgesellschaften wie der deutschen – von Ideen und Idealen der Kolonialzeit geprägt. Meist werden diese als gegeben und „normal“ betrachtet. Eine postkoloniale Perspektive einzunehmen bedeutet, dieses vermeintlich „Normale“ auf seinen kolonialen Ursprung hin zu hinterfragen und den Blick dafür zu schärfen, wo diese Denkmuster und Strukturen heute noch herrschen, wie sie aufrecht erhalten werden und was sie für die betroffenen Menschen bedeuten. Über fünf verschiedene Filme wollen wir dieses oft vernachlässigte Thema näher an uns heranlassen und mit einem breiten Publikum sowie den eingeladenen Referenten ins Gespräch kommen.

DIE TERMINE:

// white charity 16.04.2015 -19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, anschließende Diskussionsrunde mit dem Filmemacher Timo Kiesel (glokal e.V.)

// Concerning Violence 23.04.2015- 19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, anschließende Diskussion mit Mitgliedern der Regionalgruppe der Zugvögel

// Juju Factory 07.05.2015 – 19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, anschließende Diskussion mit dem Filmkritiker Enoka Ayemba (AfricAvenir International)

// Flame 15.05.2015 – 19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, anschließende Diskussion mit Mitgliedern der Regionalgruppe der Zugvögel

// Recolonize Cologne 22.05.2015 – 20:00 Uhr im Hörsaal 1, anschließende Diskussion mit dem Aktivisten Miltiadis Oulios (Kanak TV)

DIE FILME:

// white charity 16.04.2015 -19:00 Uhr

2011, 48 min, Deutschland, Regie: Carolin Philipp & Timo Kiesel, mit Aram Ziai, Danuta Sacher, Grada Kilomba, Klaus-Peter Köpping, Peggy Piesche, Philipp Khabo Köpsell, Sascha Decker, Deutsch und Englisch

Werbeplakate von entwicklungspolitischen Organisationen wie ‚Brot für die Welt‘, ‚Welthungerhilfe‘, ‚Kindernothilfe‘ oder ‚Care‘ prägen das Bild auf Straßen, Plätzen, in Bahnhöfen und U-Bahnen in Deutschland. Sie haben einen großen Einfluss darauf, wie in Deutschland Schwarze und weiße Identitäten konstruiert werden. Ausgehend von diesen Spendenplakaten diskutieren Vertreter_innen von Hilfsorganisationen mit Wissenschaftler_innen über Entwicklungszusammenarbeit, koloniale Fantasien, Rassismus und Machtstrukturen. ‚white charity‘ ist eine exemplarische Auseinandersetzung mit Rassismus in Bildern, die weit über den entwicklungspolitischen Horizont von Bedeutung ist und unterstützt einen schärferen Analyseblick auf Bilder in kommerzieller Werbung, Print und TV.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit, die Eindrücke mit dem Filmemacher Timo Kiesel (glokal e.V.) zu diskutieren.

// Concerning Violence 23.04.2015- 19:00 Uhr

2014, 85 min, Regie: Göran Hugo Olsson, basierend auf Frantz Fanon’s „Die Verdammten dieser Erde“, gesprochen von Ms. Lauryn Hil und mit einem Vorwort von Gayatri Chakravorty Spivak, Englisch mit deutschen Untertiteln

Der Dokumentarfilm setzt sich mit den afrikanischen widerständigen und emanzipatorischen Befreiungsbewegungen der 60er, 70er und 80er Jahre auseinander. Unterlegt ist historisches Originalfilmmaterial aus dem schwedischen Filmarchiv mit Auszügen aus Frantz Fanons Werk „Die Verdammten dieser Erde“. Die Texte Fanons bieten eine theoretische Analyse der Macht-und Herrschaftsmechanismen des Kolonialismus, die helfen können, koloniale Kontinuitäten zu erkennen und zu verstehen.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit, die Eindrücke mit Mitgliedern der Regionalgruppe der Zugvögel zu diskutieren.

// Juju Factory 07.05.2015 – 19:00 Uhr

2007, 97 min, Regie: Balufu Bakupa Kanyinda, Französisch mit deutschen Untertiteln

Der Schriftsteller Kongo Congo schreibt ein Buch über sein Viertel „Matongé“ in Brüssel. In dem als „bunt und migrantisch“ beworbenen Viertel vermischen sich verschiedene Geschichten und Bilder: Migration und Exil, Erfahrungen von Alltagsrassismus sowie persönliche Konflikte. Alle haben ihre Wurzeln in der europäischen, hier vor allem belgischen, Kolonialgeschichte. Kongo Congo folgt den unsichtbaren Wegen der kongoischen Geschichte und ihrer Geister. Wie ist es ihm möglich, in diesem Chaos einen klaren Kopf zu behalten? Indem er das „juju“, Selbstbewusstsein und Beatrices Liebe hat.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit, die Eindrücke mit dem Filmkritiker Enoka Ayemba (AfricAvenir International) zu diskutieren.

// Flame 15.05.2015 – 19:00 Uhr

1996, 85 min, Simbabwe, Regie: Ingrid Sinclair, mit Marian Kunonga und Ulla Mahaka, Englisch mit deutschen Untertiteln

Basierend auf Interviews mit ehemaligen Guerrilla-Kämpferinnen erzählt „Flame“ die Geschichte zweier junger Frauen im Kampf für Simbabwes Unabhängigkeit. Während Florence nach der Verhaftung ihres Vaters durch rhodesische Sicherheitskräfte entschlossen mit an vorderster Front kämpft, nutzt Nyasha die Möglichkeiten zur Weiterbildung im militärischen Informationsdienst. Der Film thematisiert die Härte, Entbehrungen und sexualisierte Gewalt, welcher vor allem Frauen als Unabhängigkeitskämpferinnen ausgesetzt waren, und macht somit die Rolle von Frauen im Prozess der Dekolonisierung sichtbar.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit, die Eindrücke mit Mitgliedern der Regionalgruppe der Zugvögel zu diskutieren.

// Recolonize Cologne 22.05.2015 – 20:00 Uhr im Hörsaal 1. Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Bundeskongress der medizinischen Flüchtlingshilfen in Jena statt

2005, Regie: Sun-ju Choi/Kanak TV, Deutsch mit englischen Untertiteln

Was macht der Kaiser von Kamerun in Köln? Und warum verteilt er globale Pässe? Der Dokumentarfilm thematisiert die deutsche Kolonialgeschichte und den Kampf um globale Bewegungsfreiheit. Aktivist_innen verweisen auf Kontinuitäten des kolonialen Denkens und Handelns bei der Klassifizierung von Menschen in der aktuellen Asylpolitik und zeigen Formen des alltäglichen Widerstands gegen Rassismus, Segregation und Diskriminierung in den ehemals deutschen Kolonien und in der Gegenwart.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit, die Eindrücke mit dem Aktivisten Miltiadis Oulios (Kanak TV) zu diskutieren.


ENGLISH VERSION

Invitation to a postcolonial film series with discussion

Colonialism- not an issue of the past!?

From a postcolonial perspective, it is obvious that language, thinking, and social (power) structures are still shaped by colonial ideas and ideals up to the present day, This is particularly true for a white majority society as the the German one. Most often these power structures are considered as given and „normal“. Adopting a postcolonial perspective means to question this supposed „normality“, to explore its colonial origins, and raise awareness where these structures and thinking patterns still prevail, how they are maintained and how they affect individuals. We want to approach this (often) neglected issue and start a conversation with a broad audience and invited speakers by a selection of five films. So come along!

DATES:

// white charity 16.04.2015 -19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, discussion with the director Timo Kiesel (glokal e.V.)

// Concerning Violence 23.04.2015- 19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, discussion with members of the Zugvögel regional group

// Juju Factory 07.05.2015 – 19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, discussion avec le critique de cinéma Enoka Ayemba (AfricAvenir International)

// Flame 15.05.2015 – 19:00 Uhr, Haus auf der Mauer, discussion with members of the Zugvögel regional group

// Recolonize Cologne 22.05.2015 – 20:00 Uhr im Hörsaal 1, discussion with the activist Miltiadis Oulios (Kanak TV)

FILMS:

// white charity 16.04.2015 -19:00 Uhr

2011, 48 min, Deutschland, Regie: Carolin Philipp & Timo Kiesel, mit Aram Ziai, Danuta Sacher, Grada Kilomba, Klaus-Peter Köpping, Peggy Piesche, Philipp Khabo Köpsell, Sascha Decker, german and english

Billboards of charitable organisations such as ‚Brot für die Welt‘, ‚Welthungerhilfe‘, ‚Kindernothilfe‘ or ‚Care‘ are omnipresent in streets, on squares, in train and metro stations in Germany. They have a large impact on how Black and white identities in Germany are constructed. Based on these charity ad posters, representatives of charities and scientists discuss about development cooperation, colonial fantasies, racism and power structures. ‚white charity‘ is an exemplary analysis of racism in images which has relevance far beyond the horizon of development. It supports a sharper analysis of images in commercials, print and TV.

It is possible to discuss ideas and impressions with the director Timo Kiesel (glokal e.V.) after the film.

// Concerning Violence 23.04.2015- 19:00 Uhr

2014, 85 min, Regie: Göran Hugo Olsson, Based on Frantz Fanon’s „The Wretched of the Earth“, narrated by Ms. Lauryn Hill with a preface by Gayatri Chakravorty Spivak, English with German subtitles

The documentary discusses African liberation movements of the 60s,70s, and 80s. Original footage from the Swedish film archive is accompanied by citations from Frantz Fanon’s book „The Wretched of the Earth“. The texts by Fanon allow for a theoretical analysis of mechanism of power and domination during colonialsm which helps understanding and recognizing colonial continuities.

It is possible to discuss ideas and impressions with members of the Zugvögel regional group after the film.

// Flame 07.05.2015 – 19:00 Uhr

1996, 85 min, Simbabwe, Regie: Ingrid Sinclair, mit Marian Kunonga und Ulla Mahaka, English with German subtitles

„Flame“ tells the story of two young women in the fight for the independence of Zimbabwe based on interviews with former, female Guerrilla combatants. While Florence is determined to fight at the front line after her father’s arrest by Rhodesian security forces, Nyasha takes the opportunity for education in the military intelligence service. The film describes the hardship, deprivation, and sexualised violence which especially affected women as combatants and thus, contributes to making the role of women in processes of decolonisation visible.

It is possible to discuss ideas and impressions with members of the Zugvögel regional group after the film.

// Juju Factory 15.05.2015 – 19:00 Uhr

2007, 97 min, Regie: Balufu Bakupa Kanyinda, Français avec sous-titres allemands

L’écrivain Kongo Congo écrit un livre sur son quartier „Matongé“ à Bruxelles. Dans le quartier qui est réputé pour son atmosphère de diversité culturelle se mélangent des histoires et images diverses: migration et exile, expériences de racisme au quotidien ainsi que conflits personnels. Cependant, ils ont tous leurs origines dans l’histoire coloniale européenne, notamment belge. Kongo Congo poursuit le chemin invisible de l’histoire congolaise et ses fantômes. Comment parvient-il à garder la tête froide dans ce chaos? En ayant le „juju“, la confidence en lui-même et l’amour de Béatrice.

À la suite de la projection de film il y aura la possibilité de discuter les impressions avec le critique de cinéma Enoka Ayemba (AfricAvenir International).

// Recolonize Cologne 22.05.2015 – 20:00 Uhr im Hörsaal 1. This screening takes place in the context of the federal congress of the medical refugee assistance in Jena.

2005, Regie: Sun-ju Choi/Kanak TV, German with English subtitles

What is the emperor of Cameroon up to in Cologne? Why is he handing out global passports? The documentary addresses Germany’s colonial past and the fight for global freedom of movement. Activists point to continuities from legislation in former German colonies to current laws regulating the life of asylum seekers and share ideas to challenge racism, segregation, and discrimination used in the past and present.

It is possible to discuss ideas and impressions with the activist Miltiadis Oulios (Kanak TV) after the film.